Plötzlich lebst du Maltesisch

“Familienanschluss auf maltesisch….”

Seit einigen Monaten sind wir nun ein Paar. Die beiden unterschiedlichen Nationalitäten konnte ich bisher ganz gut ausklammern, schliesslich sind wir ja beide „EU- Bürger“ und auch sehr ähnlich im Denken und Handeln.

Davon war ich felsenfest überzeugt, bis zu jenem entscheidenden Sonntag, an dem ich seiner maltesischen Familie vorgestellt werden sollte.

Ordentlich gekleidet, mit einem Blumenstrauss bewaffnet und einem nervösen Gefühl in der Magengegend stehe ich auf dem Bürgersteig vor meiner Wohnung und warte auf meinen Freund. Pünktlich um 11.30, sonst ist er immer ca. 30 Minuten zu spät, steige ich in sein Auto.

Vor einem wunderschönen, alten Stadthaus in Sliema finden wir einen Parkplatz. Seine Mutter Grace erwartet uns schon ungeduldig und öffnet bereits die Tür bevor wir das Auto verlassen.

Sie strahlt uns freudig an und klopft ihrem Sohn freundschaftlich auf die Schulter, bevor sie mir die Hand entgegenstreckt um mich zu begrüssen.

Ich überreiche ihr den Blumenstrauss und wir betreten gemeinsam das Haus. Ein enormer Lärmpegel schallt mir sofort entgegen.

Es klingt wie ein Gemisch von Kinderschreien und einem heftigen Streit in den mindestens 20 Menschen verwickelt sein müssen. Etwas besorgt betrete ich gemeinsam mit meinem Freund die Terrasse im hinteren Teil des Hauses und bin überrascht auf den ersten Blick nur acht Personen vorzufinden. Es wird sofort still als mein Freund in die Runde ruft: „Leute, das ist meine Freundin aus Deutschland. Sie isst heute mit uns.“

Neugierig werde ich gemustert, bekomme ein kurzes Lächeln zusammen mit einem Kopfnicken und dann…. Nichts weiter! Augenblicklich kehrt der laute Lärmpegel zurück und ich fühle mich fast ein bisschen unsichtbar.

Ich bin tatsächlich die Einzige in der Runde die dieses Szenario seltsam zu finden scheint.

Der Streit scheint nach wie vor innerhalb der Familie zu bestehen. Die lautstarken Diskussionen werden immer heftiger und ich befürchte fast eine Schlägerei. Die Kinder toben im Garten und scheinen auch zu streiten. Auch sie schreien sich pausenlos gegenseitig an.

Grace führt mich zum Tisch und schenkt mir ein Glas Wein ein. Wenig später serviert „Nanna“ (Oma) den Braten und das laute Stimmengewirr verstummt für kurze Zeit als sich alle über das Essen hermachen.

„Nannu“ (Opa) verlässt als erster den Tisch. Man erklärt mir, er habe neue Zähne und die drücken noch ein wenig. Deshalb nehme er sie lieber raus. Ok, dass er das jedoch direkt neben mir am Tisch tut, damit habe ich nicht gerechnet. Mit seinem Gebiss in der Hand lächelte er mich zahnlos an und tätschelt mir die Schulter.

Während des Nachtischs ist der gewohnte Lärmpegel wieder vorhanden und ich frage meinen Freund, worum es bei dem Streit denn eigentlich geht. Verwundert schaut er mich an und sagt: „Welcher Streit? Wir unterhalten uns doch nur.“

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Und so wandert durch die Gasse, lasst euer Herz erwärmen. Setzt euch nieder bei einem Glas herrlichem maltesischem Wein und genießt die Gastfreundlichkeit Maltas.

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